Das Aussehen der deutschsprachigen Wikipedia hat sich geändert: Das Hauptmenü ist nun links neben dem Logo erreichbar, die eigene Diskussionsseite und Beitragsliste rechts neben dem Link zum Anmelden und die Werkzeugleiste mit Verweisen zu Schwesterprojekten wie Wikimedia Commons rechts neben dem Link zur Versionsgeschichte. Weitere Informationen
Im Jahre 1971 wurde auf einer Fläche von 1020 km² der Naturpark Fichtelgebirge geschaffen. Kleinere Teile davon befinden sich im Přirodní park Smrčiny (deutsch: Naturpark Fichtelgebirge) im Nordwesten Tschechiens.[1]
Der südliche Bereich des Naturraumes Fichtelgebirge, der Steinwald, liegt im Naturpark Steinwald.
Der Ursprung des Namens Fichtelgebirge ist wahrscheinlich im Bergbaugeschehen zu suchen und kommt nicht – wie lange vermutet – von der dichten Fichtenbewaldung. Zum Zeitpunkt der Namensentstehung war, wie Pollenanalysen zeigen, im nordbayerischen Raum ein Buchen-Tannen-Fichten-Mischwald vorhanden. Erst infolge des Erzbergbaus und der Verhüttung der Metalle wurden die Laubholzarten stark dezimiert, und die schneller wachsende Fichte wurde als Rohstofflieferant angepflanzt.
Zunächst war der in einer Urkunde von 1317 genannte „Vythenberg“ nur der heutige Ochsenkopf, an dem sich das Bergwerk Sankt Veit befand – „Vyt“ entspricht dem heutigen „Veit“. Aus dessen Namen entwickelte sich das Wort „Vichtel“ oder „Fichtel“, das sich später auf das gesamte Gebiet des heutigen Fichtelgebirges übertrug.[2][3]
Das Fichtelgebirge bedeckt eine Fläche von rund 1600 Quadratkilometern. Der weit überwiegende Teil erstreckt sich auf den Osten des bayerischen Regierungsbezirks Oberfranken (Landkreise Wunsiedel, Hof und Bayreuth) und im Südosten hat es Anteil am bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz (Landkreis Tirschenreuth). Seine nord- sowie südöstlichen Teile sind tschechisches Territorium (zur Lage im Bezug auf umliegende Gebirge siehe Naturräumliche Gliederung).
Als naturräumliche Untereinheiten werden der Abschnitt von Kornberg mit Waldstein als Nordkamm (394-A), der Abschnitt von Schneeberg, Ochsenkopf, Königsheide und Kösseine als Westkamm (394-A), der Abschnitt von der Kösseine zum Steinwald als Pilgramsreuther Sattel (394-B), der Steinwald mit Reichsforst (Nördlicher Steinwald) als Steinwald (394-C), der Kohlwald als Lausnitzer Randberge (394-D) bezeichnet und die Selb-Wunsiedler Hochfläche in das Selb-Wunsiedler Hügelland (395-A) und den Selber Forst (395-B) unterteilt.[7]
Seit September 2010 existiert ein Neuentwurf der Naturräume Nordostbayerns, in dem unter anderem das Hohe Fichtelgebirge in mehrere eigenständige Naturräume aufgeteilt wird.[8]
Am Nordostrand des Fichtelgebirges schließen sich der Rehauer Forst und das Elstergebirge mit Übergang zum Erzgebirge an, am Südostrand folgt der Oberpfälzer Wald. Nach Nordwesten und Norden lassen sich der Frankenwald und das Vogtland geologisch klar abgrenzen. Gleiches gilt für das im Südwesten angrenzende Fränkische Bruchschollenland. Traditionell wird zumindest der südöstliche Teil der Münchberger Hochfläche dem Fichtelgebirge zugeschlagen, jedoch ist diese geologisch anders aufgebaut als das Fichtelgebirge und wird daher als eigenständige naturräumliche Einheit angesehen. Somit grenzt der Frankenwald nicht unmittelbar an das Fichtelgebirge.
Übersichtskarte mit Bergmassiven, Ortschaften und Verkehrswegen im Fichtelgebirge und im unmittelbaren Umland
Zu den bedeutendsten Orten im Fichtelgebirge gehört Wunsiedel, die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises, der vollständig im Fichtelgebirge liegt und auch den größten Flächenanteil daran hat. Die mit deutlich über 10.000 Einwohnern größten Städte sind Marktredwitz und Selb (für weitere Orte siehe Städte und Gemeinden). Größere Städte in unmittelbarer Umgebung sind Hof im Norden, Bayreuth im Westen, Cheb (dt. Eger) im Osten und Weiden im Süden.
Mit den Autobahnen A 72 im Norden, A 9 (Abschnitt Hof–Bayreuth) im Westen und A 93 (Abschnitt Hof–Weiden) im Osten tangieren bzw. kreuzen drei bedeutende Verkehrsadern das Fichtelgebirge. Die wichtigste Ost-West-Achse ist die B 303 (E 48). Sie führt über Marktredwitz und verbindet die A 9 mit der A 93. Dieser Abschnitt der B 303 wird auch Fichtelgebirgsstraße genannt. Ab Schirnding verläuft sie als Staatsstraße 6 über Cheb weiter nach Nordosten.
Die Stadtgebiete der als Oberzentren eingestuften kreisfreien Städte Hof und Bayreuth liegen einige Kilometer außerhalb des Fichtelgebirges.
Folgende Gemeinden begrenzen das physische Fichtelgebirge von außen im Gegenuhrzeigersinn, beginnend im Norden:[5][6]
Im Inneren des Fichtelgebirges liegen die folgenden Gemeinden (bzw., bei mit Stern gekennzeichneten Orten nur Teile des Kernortes), darunter der gesamte Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge:
„Nabel Deutschlands“ oder „Herzbrunnen Europas“ nannte man in früherer Zeit das Fichtelgebirge, denn dort entspringen vier bedeutende Flüsse, die in vier Himmelsrichtungen abfließen:
Über das Mittelgebirge verläuft die Europäische Hauptwasserscheide zwischen Nordsee (Saale, Eger und Main) und Schwarzem Meer (Naab).
Viele Teiche und Weiher, die für die Fischzucht oder für die Wasserversorgung der ehemaligen Hammerwerke und Mühlen angelegt wurden, sind noch vorhanden. Künstliche Stauseen, teilweise für Erholungszwecke geschaffen, sind
Zahlreiche Moore und Sümpfe, die unter Naturschutz stehen, sind wertvolle Wassersammler.
Ausreichende Quellen versorgen die Einwohner mit gutem Trinkwasser. Weiter entfernte Städte wie Hof/Saale, Bayreuth oder Eger (Cheb) beziehen Trinkwasser aus dem Fichtelgebirge.
Durch Wollsackverwitterung typisch geformte Granitfelsen (Rudolfstein bei Weißenstadt)Kantige Granitblöcke im Felsenmeer am Haberstein, einem Nebengipfel des SchneebergsGeologisches Profil Bamberg – Bayreuth – Fichtelgebirge (Ochsenkopf und Schneeberg)
Geologisch besteht der Gebirgsstock im Wesentlichen aus Granit. Die Geschichte seiner Orogenese beginnt im Präkambrium etwa vor 750–800 Millionen Jahren – fast 20 % der Erdgeschichte, was nur auf wenige der noch bestehenden Rumpfgebirge zutrifft.
Damals war das Gebiet von Meer bedeckt und Flüsse transportierten die Sedimente vom heute nicht mehr vorhandenen Gebirge vor die Küsten, wo es sich in Ton- und Sandschichten, teilweise auch als Kalkstein ablagerte.
Am Beginn des Kambriums (vor rund 570 Millionen Jahren) wurden die Schichten gefaltet und als neues Gebirge aus dem Meer herausgehoben. Hohe Temperaturen und Druckkräfte während dieser bis ins Oberkarbon andauernden Gebirgsbildung machten aus den Gesteinen Metamorphite, das heißt, sie wurden in Zusammensetzung und Struktur verändert: aus Ton entstand Phyllit und Glimmerschiefer, aus Sanden Quarzite und aus den Kalken der Wunsiedler Marmor. Durch heftige Erosion (das „junge“ Gebirge mag einige Kilometer hoch gewesen sein) sank es bald wieder unter den Meeresspiegel ab.
Im Silur, Devon und Unterkarbon lagerten sich in jenen Bereichen der Erdkruste, zu denen unter anderem das heutige Fichtelgebirge und der Frankenwald gehören, mächtige Tiefsee-Sedimente sowie Tiefseevulkanismus (mit Erzbildung) ab. Diese Ablagerungen und Vulkanite sind in ihrer annähernd ursprünglichen Ausprägung, einschließlich gut zur Datierung heranziehbarer Fossilien, besonders gut im Frankenwald erhalten, da sie dort keiner oder einer nur sehr niedriggradigen Metamorphose (Anchimetamorphose) unterlagen. Im Oberkarbon vor 285 Millionen Jahren setzte die Endphase der Variszischen Gebirgsbildung ein und die Sedimente und Vulkanite wurden gefaltet. Diese Orogenese ist nach Hofs lateinischem Namen (und dem Volk der Varisker?) Curia variscorum benannt. Nachfolgend drangen in mehreren Schüben glutflüssige Schmelzen in die gefalteten Gesteine ein, wo sie tief unter der damaligen Erdoberfläche zu den heutigen Graniten erstarrten. Durch die Platznahme der Granite wurde das Nebengestein meist nur gering kontaktmetamorph überprägt. Aus den Restschmelzen mit deren erzhaltigenFluiden entstanden die Pegmatite, die Sammlern und Wissenschaftlern reiche Mineralvorkommen bescherten, sowie Erz- und Mineralgänge, die Basis für den Bergbau im Mittelalter und in der Frühphase der Industrialisierung.
Nach Ende der Orogenese, noch während des Oberkarbons sowie im Unteren Perm (Rotliegend) lagerten sich große Mengen Gesteinsschutt in intramontanen Becken und im Vorland des Gebirges ab. Die Becken waren durch eine Dehnungstektonik entstanden, die von einem intermediären bis sauren Vulkanismus begleitet wurde. Die Sedimente des Rotliegenden sind nur an wenigen Stellen aufgeschlossen, können jedoch durch Bohrungen unter dem mesozoischenDeckgebirge südwestlich der Fränkischen Linie weiträumig nachgewiesen werden. Die postvariszischen Vulkanite bilden im Fichtelgebirge Quarzporphyrgänge.
Im Neogen (Jungtertiär, Beginn vor 26 Millionen Jahren) nahm die Tektonik wieder zu, gerade als die alpidische Gebirgsbildung (Alpen, Karpaten usw.) langsam zu Ende ging. In dieser Zeit gerieten Teile dieses und anderer alter Gebirge (siehe Böhmisch-Mährische Höhe oder die Böhmische Masse im Alpenvorland) teilweise unter jüngere Gesteine. Im oberen Miozän, vor zehn Millionen Jahren, brachen im Zuge der Bildung des EgergrabensBasaltschmelzen in der nördlichen Oberpfalz durch. Durch Erosion freipräparierte Überreste ehemaliger Förderschlote sind z. B. am Rauhen Kulm oder am Parkstein bei Weiden vorhanden. Basaltische Decken, also flächenhafte Lavaergüsse dünnflüssiger Lava, sind beispielsweise am Teichelberg bei Pechbrunn zu beobachten. Diese basaltischen Decken sind jedoch nicht mit tektonischen Deckenbildungen zu verwechseln.
Das Bild der heutigen Landschaft entstand im jüngeren Pliozän vor etwa 5 Millionen Jahren: Eine schon früh entstandene fränkische Verwerfungslinie kam wieder unter Druck und an ihr entlang hoben sich Fichtelgebirge, Frankenwald, die Münchberger Gneismasse und der nördliche Oberpfälzer Wald. Diese letzte Hebung unterlag erneut der Erosion und die Flüsse schnitten sich tief in das schon früher fast eingeebnete Gebirge ein. So wurde aus einer Hochfläche die heutige Struktur: ein von allen Seiten angenagtes Mittelgebirge mit langer, wechselhafter Geschichte. Es stellt ein, allerdings oft schwierig deutbares, Eldorado für Geowissenschaftler der verschiedenen Disziplinen dar.
Der Granit (lat. granum „Korn“ für Körnung) und seine Abkömmlinge
machen etwa 40 % der Gebirgsfläche aus. Dieses so feste, aber dennoch wasserhaltige Gestein baute die höchsten Erhebungen auf. Sein ernster Charakter und die früh entwickelte Industrie prägen Landschaft und Leute.
Der Reutgranit bei Gefrees ist hingegen feiner, mit bläulich-grauer Färbung. Auch der Selber Granit (nordöstlich des obigen Massivs bei Schwarzenhammer über den Selber Forst und Tschechien nach Sachsen/Elstergebirge) ist feinkörnig, aber grau.
Holzmühlgranit: Von ihm gibt es nur zwei kleine Vorkommen bei Holzmühl, drei Kilometer südöstlich von Marktleuthen und bei Längenau am Wartberg ostnordöstlich von Selb; er hat mittleres Korn, höhere Biotitgehalte und ungleichkörniges Gefüge.
Redwitzit, auch Syenitgranit genannt, im Dreieck Marktredwitz/Arzberg/Thiersheim; mittel-, auch feinkörnig, wegen wechselnder Mineralzusammensetzung ist die Farbe hellgrau, dunkelgrau, dunkelgrüngrau bis fast schwarz.
Kösseine-Randgranit: Kösseine mit Burgstein, Haberstein, Schauerberg; Südteil des Großen Kornberg-Massivs; klein- bis mittelkörnig, der porphyrische Habitus ist schwächer bis fehlend; einsprenglingsarm
Kerngranit im Zentralstock Fichtelberg/Ochsenkopf/Nußhardt und am Schneeberg-Ostrand; Aufschlusslage durch viele Felsbildungen; mittel- bis grobkörnig
Kösseine- und Wolfsgarten-Kerngranit. Der Kösseinegranit hat zahlreiche Einschlüsse: Hornfelse, zentimetergroße biotitreiche Nebengesteinsfetzen und -knollen, abgerundete bis rundliche quarz- und feldspatreiche Einschlüsse; Vorkommen im Kösseinestock: schmales Band am Nord-, Ost- und Südrand, kleines Labyrinth, Steinbruch Kleinwendern, Felsengruppen Hirschensprung, Wolfstein, Hohenstein, Ochsenkopf, Hundslohe, Gregnitztal; Vorkommen am Kornberg: Waldabteilung Wolfsgarten Südsüdwestrand des Großen Kornbergs; relativ grob, durch die blauen Kalifeldspate, schwarzes Biotit und die reichlich eingestreuten dunklen Fremdeinschlüsse von besonderem Charakter; der Wolfsgartengranit ist etwas lichter blau.
Zinngranit ist auf den Zentralstock beschränkt und kommt vor am Rudolfstein, an den Drei Brüdern bis fast zum Gipfel des Schneebergs, am Westhang des Seehügels, zwischen Seehügel und Platte, Fuchsbau, Zufurt westlich von Leupoldsdorf; sehr gleichmäßiges, mittleres Korn; wenig Biotit, viel Muskovit; lichter, heller Ton
Randgranit des Steinwald-Massivs im Westteil des Steinwaldes, z. B. Dachsfelsen, Nordwestteil der Grandfelsen; kleinkörnig
Steinwaldgranit nimmt den Zentralteil ein mit Weißenstein, Platte, Katzentrögel, Reiseneggerfelsen, Hackelstein; grobkörnig
Friedenfelser Granit ist die Übergangsfazies zwischen dem Steinwaldgranit und dem Falkenberger Porphyrgranit; er bildet den Sockel des Pechbrunner Basaltgebietes und taucht dort an verschiedenen Stellen zwischen den Basaltdecken auf; porphyrische Struktur, besonders reich an Feldspateinsprenglingen
Bereits seit dem frühen Mittelalter betrieb man im Fichtelgebirge Erzbergbau. Abgebaut wurden vor allem Gold, Zinn, Eisen, Minerale, Erden und Steine (Basalt, Braunkohle, Diabas, Granit, Lehm, Marmor, Speckstein, Ton, Torf). In jüngerer Zeit entdeckte man Uranerzlagerstätten. In Hammerwerken (siehe Ortsnamensendungen mit -hammer) an den Fichtelgebirgsflüssen, in Schmelzöfen und Schmiedebetrieben erfolgte die Weiterverarbeitung der Metalle. Die Wälder des Fichtelgebirges lieferten das erforderliche Holz für die Herstellung von Holzkohle. Im Dreißigjährigen Krieg lag der Bergbau darnieder, die Erzlagerstätten waren weitgehend ausgebeutet. Alexander von Humboldt versuchte im 18. Jahrhundert, den Bergbau nochmals zu beleben. Viele Städte und Orte (z. B. Wunsiedel, Weißenstadt, Arzberg, Fichtelberg-Neubau, Goldkronach) verdanken ihre Entstehung dem Bergbau.
Einen Einblick in die Bergbaugeschichte des Fichtelgebirges vermitteln
In Großschloppen im Landkreis Wunsiedel wurde von 1978 bis 1989 – zunächst von der Esso Erz GmbH und später von der Saarberg-Interplan Uran GmbH – nach Uranerz gesucht. 1987 wurden Pläne bekannt, dort ab Ende 1990 Uranerz abzubauen und eine Uran-Anreicherungsanlage mit 500 Tonnen Jahreskapazität zu errichten. Zwischen 1984 und 1987 waren bereits 18.000 Tonnen uranhaltiges Erz abgebaut worden.[9]
Von den Hugenotten wurde die Osterdekoration der Brunnen (Osterbrunnen) in Form einer Lilie (Emblem der Bourbonen-Könige) eingeführt (so ein Artikel im April 2007 in der Fränkischen Post). Das Wunsiedler Brunnenfest, das größte Heimatfest in der Kreisstadt, hat mit den Osterbrunnen nichts gemeinsam, es hat eine andere Entstehungsgeschichte. Die traditionell auf der Freilichtbühne der Luisenburg bei Wunsiedel stattfindenden Luisenburg-Festspiele gehen bis in das 17. Jahrhundert zurück. In vielen Städten des Fichtelgebirges finden jährlich so genannte Wiesenfeste statt, die von den Schulen durchgeführt werden mit themenorientierten Umzügen, Volkstänzen und Spielen.
Quer durch das Fichtelgebirge verläuft von Nordosten nach Südwesten die Dialektgrenze zwischen dem (Ost-)Fränkischen Dialekt im Norden und Westen sowie dem (nord-)bairischen beziehungsweise Oberpfälzer Dialekt im Osten und Süden. Die Dialektgrenze stimmt nicht mit der Grenze der Regierungsbezirke Oberfranken und Oberpfalz überein, sondern es wird auch z. B. im oberfränkischen Kreis Wunsiedel zum Teil bairisch gesprochen.
Nachkommen Vertriebener, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Böhmen, Mähren, Schlesien und Ostpreußen ins Fichtelgebirge kamen, haben einen bedeutenden Anteil an der Bevölkerung.
Während der Bergbau nur noch von historischem Interesse ist, werden an zahlreichen Orten im Fichtelgebirge noch Glaswaren erzeugt, die man dort auch günstig kaufen kann. International bekannt und deutschlandweit führend ist die Porzellanindustrie, deren Zentrum die Stadt Selb ist. Firmen wie Rosenthal oder Hutschenreuther genießen Weltgeltung. Weitere Unternehmen widmen sich der Kunststoffherstellung, dem Maschinenbau und der Metallerzeugung, der Textilverarbeitung und gehören zum Ernährungsgewerbe. Steinbearbeitungsbetriebe verarbeiten einheimischen und ausländischen Granit. Hochinnovative Unternehmen sind in den Bereichen Green-Tech und Neue Materialien vorhanden.
Der Tourismus stellt heute für viele Gemeinden im Fichtelgebirge die Haupteinnahmequelle dar. In einigen Orten wie beispielsweise Bischofsgrün hat der Tourismus eine lange Tradition seit den 1920er-Jahren; nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Zustrom der Urlaubsreisenden sowohl im Sommer zum Wandern als auch im Winter für den Wintersport stark zu. Das Fichtelgebirge entwickelte sich zu einem der „Hausgebirge“ der West-Berliner, die über die seinerzeit als Transitstrecke fungierende A 9 anreisen konnten. Dies hat sich mit der Wiedervereinigung und einem veränderten Angebot an Mittelgebirgs-Ferienlandschaften verändert.
Teufelstisch am Großen Waldstein
Im Winter hat das Fichtelgebirge eine auch überregionale Bedeutung als Wintersportgebiet. Mehrere Lifte, zwei Sessellifte am Ochsenkopf und gespurte Loipen bilden die Grundlage hierfür.
Der Siebenstern ist die Symbolpflanze des Fichtelgebirges.[10]
Am 30. Dezember 2011 erbrachte eine Kamerafalle am Schneeberg den Beweis für die Anwesenheit eines Wolfs im Fichtelgebirge.[11] 1882 war im Fichtelgebirge letztmals in Bayern ein Wolf getötet worden.[12]
Bis in das 19. Jahrhundert wurden Schneeberg, Ochsenkopf mit Königsheide und Kösseine als „Centralgruppe“ bezeichnet, während die Nordwest- und Nordostflanke aus Waldstein, Kornberg, Selber Forst und Liebensteiner Forst als „Waldsteiner Kette“ und die Südostflanke aus Steinwald, Reichsforst und Kohlwald als „Weißensteiner Kette“ bezeichnet wurden.[4]
Johann Wolfgang von Goethe schrieb in einem Brief an Charlotte von Stein „Der Granit lässt mich nicht los!“ Der Dichter und Naturwissenschaftler unternahm drei Reisen in das Fichtelgebirge, bei denen er sich ernsthaft mit naturwissenschaftlichen Problemen auseinandersetzte. Zwei seiner Reisen verband er mit Fahrten von Weimar nach Karlsbad, die letzte unternahm er eigens von Eger aus ins Fichtelgebirge.
Begleitet wurde er von Karl Ludwig von Knebel und Friedrich Gottlieb Dietrich. Am 30. Juni 1785 führte die Reise von Hof über Marktleuthen nach Wunsiedel, noch am gleichen Tag wurden der Katharinenberg und Alexandersbad besucht. Bei einer Fußtour ging es am 1. Juli von Wunsiedel über Leupoldsdorf zum Seehaus (damals Zechenhaus genannt), nach Karches und zur Weißmainquelle (damals Fürstenbrunnen genannt), dann zum Gipfel des Ochsenkopfes, wo unterwegs die seltene Pflanze Sonnentau bewundert wurde. Der Rückweg ging über den Seehügel hinüber zum Nußhardt und zum Weißen Fels, dann über Vordorfermühle und Vordorf (jetzt zur Gemeinde Tröstau gehörend) nach Wunsiedel zurück. Goethe fertigte dabei einige Zeichnungen von Felsformationen an und trieb geologische Studien. Der 2. Juli war ein Regentag, weshalb nur einige Besichtigungen in Wunsiedel stattfanden. Der 3. Juli war der Luisenburg (damals noch Luxburg genannt) und dem Burgsteinfelsen gewidmet, wobei wieder einige Zeichnungen von der Granitverwitterung entstanden. Die Weiterreise am 4. Juli führte über Holenbrunn, Göpfersgrün, Thiersheim, Schirnding und Mühlbach nach Eger. Goethe zeigte lebhaftes Interesse an den „geologischen Merkwürdigkeiten“ Marmor, Speckstein und Basalt, die am Reiseweg vorkamen.
Als 71-Jähriger befand er sich wieder auf einer Fahrt in die westböhmischen Bäder, ein Abstecher brachte ihn am 25. April nach Alexandersbad, wo er im Alten Schloss logierte. Nach dem Mittagessen begab er sich auf die Luisenburg, die nun durch Wege weitgehend erschlossen war. Er erklärte die Entstehung des Felsenlabyrinths als einen ganz langsam ablaufenden Verwitterungsprozess. Am 26. April folgte die Weiterreise nach Karlsbad.
Am 13. August kam Goethe über Eger, Waldsassen und Mitterteich nach Marktredwitz, um die berühmte Chemische Fabrik von Wolfgang Kaspar Fikentscher zu besichtigen; begleitet wurde er von Joseph Sebastian Grüner, Magistrat- und Polizeirat in Eger. Bis zum 18. August wurde die Quecksilberherstellung begutachtet und die Glashütte bei Brand aufgesucht, wo 17 Arbeiter große Fenstertafeln herstellten; es folgten chemische und pyrotechnische Versuche. Es hat den Anschein, dass es dem 73-jährigen Goethe wegen der Fikentscher-Töchter in Marktredwitz besonders gut gefallen hat.
Der Universalgelehrte Alexander von Humboldt wurde als 22-Jähriger im Jahr 1792 in die damals preußisch gewordenen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth entsandt, um den Bergbau zu modernisieren. Bis 1795 wirkte er in Arzberg, Goldkronach und Bad Steben, wo es ihm gelang, in kurzer Zeit den Bergbau wieder aufzunehmen, den Grubenbau zu erneuern und moderne Abbaumethoden einzuführen. Bergbauschulen gründete er in Arzberg, Goldkronach und Bad Steben und er richtete eine Bergbau-Hilfskasse für verunglückte Bergleute ein.
Seit 1791 gehörte das Fürstentum Bayreuth zu Preußen, ehe es 1806 französischer Herrschaft unterstellt und 1810 an das Königreich Bayern verkauft wurde. Das preußische Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Luise von Mecklenburg-Strelitz besuchte das Fichtelgebirge, wo es in Alexandersbad wohnte, im Sommer 1805. Königin Luise schwärmte von der Schönheit der Landschaft, der Natur und den Menschen. „All die schönen Berge, die hier in der Nähe sind, haben wir alle bereist, außer Schneeberg und Ochsenkopf, weil der Schnee sie erst vor 14 Tagen verlassen hat und sie daher sehr sumpfig waren“ schrieb sie ihrem ältesten Sohn Friedrich Wilhelm. Allein die Luxburg (ihr zu Ehren in Luisenburg umbenannt) mit dem „unglaublichen“ Felsenlabyrinth habe sie dreimal bestiegen.[13]
Gerhard Bayerl, Manfred Schultes (Fotos), Bernhard Setzwein: Steinmeer und Siebenstern. Buch- und Kunstverlag Oberpfalz, Amberg 2000, ISBN 3-924350-84-1.
Reinhard Feldrapp (Fotos), Bernd Häuser: Fichtelgebirge. Streifzüge durch das granitene Hufeisen. Echter Verlag, Würzburg 2003, ISBN 3-429-02539-7.
Franz X. Bogner: Das Fichtelgebirge im Luftbildporträt. Ellwanger, Bayreuth 2008, ISBN 978-3-925361-68-5.
Werner A. Widmann, Wilkin Spitta: Fichtelgebirge, Frankenwald, Coburger Land. (= HB-Bildatlas Nr. 64), HB/Pegasus, Hamburg/Stuttgart 1987, ISBN 3-616-06064-8 (aktualisierte Neuausgabe: Helga Schnehagen: Fichtelgebirge, Frankenwald, Coburger Land : vom oberen Maintal bis zum Vogtland: Lichtenfels, Kulmbach, Kronach, Hof, Selb ; Bayreuth mit Stadtplan. (= HB-Bildatlas. Nr. 190). HB/Mairs Geographischer Verlag, Hamburg/Ostfildern 1998, ISBN 3-616-06290-X)
Godehard Schramm, Bernd-Heinz Häuser: Fichtelgebirge-Frankenwald-Steinwald. Die schönsten Ausflugsziele. Rosenheimer Verlagshaus, Rosenheim 1992, ISBN 3-475-52732-4.
Reinhard Müller, Horst Ruhl: Mit Kindern im Fichtelgebirge. Wo Wandern zum Erlebnis wird. Fleischhauer & Spohn Verlag, Bietigheim 1994, ISBN 3-87230-520-4.
Naturpark Fichtelgebirge und Naturpark Steinwald : touristische Hinweise auf der Rückseite : offizielle Wanderkarte des Fichtelgebirgsvereins e. V. und des Naturparkes Fichtelgebirge e. V. (= Fritsch Wanderkarte. Nr. 52). Fritsch Landkarten-Verlag, Hof 2016, ISBN 978-3-86116-052-6.
Dietmar Herrmann: Vom Bergbau im Fichtelgebirge. (= Beiträge zur Geschichts- und Landeskunde des Fichtelgebirges. Nr. 11). Teil 1, Kohler, Wunsiedel 1989, DNB891286683.
Dietmar Herrmann: Vom Bergbau im Fichtelgebirge. (= Beiträge zur Geschichts- und Landeskunde des Fichtelgebirges. Nr. 12). Teil 2, Kohler, Wunsiedel 1990, DNB900503610.
Dietmar Herrmann: Wasser vom Dach Europas – Gewässerkunde Fichtelgebirge; Band 19/2021 der Schriftenreihe des Fichtelgebirgsvereins Das Fichtelgebirge.
Dietmar Herrmann: Gewässerkunde Fichtelgebirge. In: Der Siebenstern ; Vereinszeitschrift des Fichtelgebirgsvereins e. V. für Heimatpflege, Heimatkunde, Wandern und Naturschutz . Wunsiedel 2003, S. 4f. ISSN0949-4685
Der Siebenstern. Vereinszeitschrift des Fichtelgebirgsvereins e. V. für Heimatpflege, Heimatkunde, Wandern und Naturschutz. Erscheint seit 1927 in Wunsiedel. ISSN0949-4685